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Dolomiten 2007

Eine anstrengende Tourenwoche rund um die Sella

1. Teil: Auf den Plattkofel über den Oskar-Schuster-Steig

Montag, 10.09.2007
Früh 3.00 Uhr Abfahrt von Dresden über Hof - München - Innsbruck. Auf der Inntalautobahn fällt auf, dass alle Berge ab etwa 1000 weiß sind. Es war in der Woche vorher sehr kalt und feucht gewesen. Hochtouren in den Nordalpen hätten heute winterlichen Charakter. Doch wir wollten in den Süden und hofften auf schneefreie Berge. Nach dem Brenner hob sich die Schneegrenze und im Grödnertal war nichts mehr zu sehen. Wir kamen ca. 10 Uhr am Sellapaß an und wollten eigentlich mit dem Marmolata-Westgrat anfangen. Die Fahrt hätte aber noch 1 Stunde gedauert, das wäre keine gute Startzeit für eine 10 Std.-Tour. So entschieden wir uns für das naheliegende: Die Stehgondel vom Rifugio Sella zur Toni-Demetz-Hütte in der Langkofelscharte (2685m). 

Vom Rifugio Sella führt eine Stehgondel zur Langkofelscharte

Gleich neben der Bergstation der Stehgondel findet man das Rifugio Toni Demetz mit einem großartigen Panoramablick

Die Gletscher der Marmolada ziehen sich immer weiter zurück

Wir gewannen 500 Höhenmeter und begannen unsere Tour auf 2685m Höhen mit einem Abstieg durch das Langkofelkar zur Langkofelhütte(2253m). Auf diesen Wegen sind auch viele ältere Wanderer unterwegs. Wir genossen einen Cafe-Latte auf der Terrasse, welche um 13 Uhr erst in die Sonne tauchte. 

Die Langkofelhütte hat nur kurz Sonne

Jetzt ging es richtig los. Der Weg in das Plattkofelkar war steil und in der heißen Mittagssonne schwitze man ganz schön. Wir trafen Andreas, einen Schweizer, der den gleichen Weg nahm und gingen gemeinsam. Nach einer Mittagsrast mit Salami und Brot und einer Stunde Anstieg erreichten wir kurz vor 15 Uhr den Einstieg. Der Oskar-Schuster-Steig führt über gestuftes Gelände und schräge Bänder nach oben. Bemerkenswert ist, dass dabei keinerlei künstliche Tritte eingebaut wurden, nur wenige Stufen wurden aus dem Fels geschlagen. An einer Stelle hilft nur Armkraft, um eine Steilstufe zu überwinden. Zwischendurch gibt es fast horizontale Querungen, welche sehr ausgesetzt und ungesichert einen ordentlichen Respekt einflößen. Besonders bei Vereisung ist hier Vorsicht angesagt. 

Der Oskar-Schuster-Steig orientiert sich an natürlichen Aufstiegsmögsmöglichkeiten...

...wie diesem Absatz...

...und unterstützt nur an ausgewählten Stellen mit dem Stahlseil.

Die Holzschnitzerrei hat Tradition im Grödnertal

Ich und unser Schweizer Gast Andreas auf dem Gipfel des Plattkofels (2958m)

Wir überholen eine gemischte Vierertruppe und steigen ca. 17 Uhr aus der Scharte die letzen 10 Höhenmeter zum Plattkofelgipfel. Hier genießen wir die Rundsicht vom Alpenhauptkamm bis zu den Gardaseebergen. Besonders eindrucksvoll leuchtet die vergletscherte Marmolata herüber. Wir bleiben fast eine Stunde auf dem Gipfel und steigen dann zur Plattkofelhütte (2300m), wo wir noch kurz rasteten und uns von Andreas verabschiedeten. 

Weit nach Westen reicht der Blick über die Seiser Alm und den Schlern mit der Santnerspitze

Die Plattkofelhütte liegt am Friedrich-August-Weg und am Rand der Seiser Alm

Auf dem anschließenden Friedrich-August-Weg fühlten wir uns wie in der Heimat. Als Höhenweg auf Anregung des letzten Sachsenkönigs Friedrich August dem III. entstanden, führt er vom Schlernmassiv am Tierser Alplhüttl vorbei in aussichtsreicher Lage zum Plattkofel und weiter zum Sellapaß. Dabei sind auch einige Höhenmeter zu überwinden, da Steilstufen und Schrofen umgangen werden müssen. Wir beobachten Murmeltiere und kommen am Rif. Sandro Pertini (2300m) vorbei, es hat aber schon geschlossen. 

Aus nächster Nähe kann man am Friedrich-August-Weg Murmeltiere beobachten

Der Weg wurde auf Anregung des letzten sächsischen Königs angelegt und führt nahezu auf einer Höhe am Langkofelmassiv entlang

Abendliche Idylle am Langkofel

Die Sandro-Pertini-Hütte (2300m) in aussichtsreicher Lage am Friedrich-August-Weg

Gegen 19.30 Uhr ist das Tagesziel erreicht: die Friedrich-August-Hütte

Nach einer Stunde von der Plattkofelhütte erreichen wir die Friedrich-August-Hütte (2298m), also heimatlichen Boden. Ein Lager mit Halbpension gibt es für 30 Euro. Das üppige Schnitzel natur hat wohl schon etwas lange in der Pfanne gelegen, es schmeckte jedenfalls etwas seltsam. Am nächsten Tag kam beim Frühstück eine große Übelkeit auf und ich war nahe dran mich zu übergeben. Die Symptome verschwanden aber im Laufe des Vormittags. Die Hütte ist gemütlich eingerichtet und dem Anschein nach gab es nur deutsche Gäste. Die Lager befinden sich in einem neugebauten Nebengebäude und bieten sogar eine Dusche, die wir ausgiebig nutzen.

JGL 13.02.2008