Reiseberichte 2007 Dolomiten Der Plattkofel 2958m Die Marmolada 3343m Der Pößnecker Steig
Piz Boe 3152m Punta Anna 2731m Links Impressum Gästebuch

Dolomiten 2007

Eine anstrengende Tourenwoche rund um die Sella

2. Teil: Über dem Hans-Seyfert-Weg auf die Marmolata

Dienstag, 11.09.2007 Zwischenspiel: Der Sentierio Atillo Sieff, ein kecker Felsturm über dem Fassaturm

In der Nacht stürmte und hagelte es, am nächsten Morgen hingen die Gipfel in Wolken und ab ca. 2800m lag Schnee. Nach dem Frühstück liefen wir den letzten Teil des Friedrich-August-Weges vorbei an der Saleihütte, einem neuerrichteten Hotel im Hüttenstiel mit großem Spielplatz, eigenen Wildgehege und Fischteich, zum Sellajoch, wo das Auto stand. Auf dem Plan stand heute eigentlich der Pößnecker Steig auf das Sellamassiv. Er beginnt direkt am Sellapaß. Aufgrund meiner Magenverstimmung und vor allem wegen des Neuschnees entschlossen wir uns zu einem leichten Steig im Fassatal. Der Sentierio Atillo Sieff führt vom kleinen Dorf Zione auf einen kecken Felsturm, die Polse. Dabei sind 80% des 500m Aufstieges durch den Wald. Nach der Anstrengung der Anreise und des Plattkofels war diese Tour fast etwas zum Ausruhen. Vor allem waren es die angenehmen Temperaturen und die Sonne, die den Anstieg erleichterten. 

Blick von Zione im Fassatal auf den Polse, einen Felsturm, der nur wenige Meter vom Massiv entfernt steht

Der Sentierio Atillo Sieff führt durch eine enge Felsschlucht aufwärts

Dieses Felstor ist der Eingang zum oberen Teil des Aufstieges

Der gut gesicherte Steig führt zunächst an einer Steilwand entlang zum Ende einer kurzen Schlucht und quert zum Fuß des Felsturmes. In einer schmalen Felsrinne zieht er steil nach oben, ein Felstunnel muß durchstiegen werden und man erreicht die Scharte zwische Felsturm und Massivwand. Nun geht es steil nach oben und 5 min. später steht man auf der Hochfläche des Felsturmes. Vor dem großen Gipfelkreuz steht eine kleine Bank die zu einem beschaulichen Blick in das Fassatal und die umliegenden Berge einlädt. 

Vom Gipfelkreuz auf der Polse aus hat man einen reizvollen Blick...

...auf das gemütliche Dorf Zione im Fassatal

...im Hintergrund links der Rosengarten

Auf der Rückfahrt unternahmen wir noch einen kleinen Bummel durch Canazei und ich deckte mich mit Wanderstöcken ein.Wir fuhren zum Fedajastausee und übernachteten in einem Zimmer im Rifugio Castiglioni Marmolada.

Blick über Canazei und dem Gran Vernel 3210m

Die Marmoladahütte vor dem mächtigen Marmoladamassiv mit dem Punta Penia 3343m, rechts der Gran Vernel

Mittwoch, 12.09.2007 Auf zur Marmolada

Der Gipfel in der Abendsonne...

..und am nächsten Morgen. Der Zugang führt über die Staumauer des Fedajasees

Das Rifugio hat schon bessere Zeiten gesehen

Zunächst geht es mit einer Stehgondel zum Rifugio Pian dei Fiacconi

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir zum Startpunkt der Tour über die Staumauer des Fedajasees und fuhren für 8 Euro in der Stehgondel zum Rifugio Pian dei Fiacconi (2626m) und genossen zunächst den großartigen Blick zum Sellastock mit dem Gipfel des Piz Boe in der Mitte umrahmt von den weißen Alpenhauptkamm. Wir gingen auf dem Weg 606 leicht bergab, um einen Felssporn zu umgehen (2490m). 

Blick über den Fedajastausee zur Porta Vescovo mit dem Restaurant Belvedere, im Hintergrund der Alpenhauptkamm

Der erste richtige Anstieg führt über den hartgefrorenen und steilen Vernelgletscher

Über Eis und Fels geht es zur Scharte zwischen Piccolo Vernell und Marmolada

Es folgte ein steiler Anstieg über Geröll zum unteren Ende des Vernelgletschers. Im oberen Drittel sahen wir schon eine große Mannschaft, ihre Spur am Einstieg aber nicht. Wir machten eine größere Rast und legten die Steigeisen an. Gegen 11.45 Uhr stiegen wir auf, mit den Eisen und Stöcken kommt man problemlos hinauf. Zwei alpine Experten zogen an uns ohne Eisen vorbei, unverantwortlich, denn der Gletscher war vollkommen schneefrei und ziemlich steil. Am oberen Ende wechselten wir die Eisen gegen den Klettergurt und stiegen am Stahlseil etwa 50 Höhenmeter steil hinauf zur Vernelscharte (2896m). 

Hier beginnt der Klettersteig über den Westgrat der Marmolada

Ein schauriges Kriegsrelikt aus dem ersten Weltkrieg, eine Kaverne zu Verteidigung der Vernellscharte

Ohne die Eisenbügel hätten wir gewisse Schwierigkeiten gehabt, allein die Armkraft hätte wohl nicht gereicht.

Ein schauriges Kriegsrelikt grüßt die Bergsteiger: ein kleiner aus dem Felsen gehauener Raum aus dem ersten Weltkrieg liegt direkt an der Scharte. Auf der anderen Seite kommt der Steig vom Contrinhaus (auch die 606) herauf, klassisch mit Steigbügeln und parallelen Stahlseil. Wir wenden uns dem weiteren Aufstieg zu. Durch die sonnenarme Lage der Scharte waren die ersten Steigbügel zur Hälfte im Eis, konnten aber problemlos begannen werden. Schnell gewinnen wir an Höhe, obwohl viele Tritte um Schnee liegen. Das straff gespannte Seil sieht vertrauensvoll aus. Meist geht es am glatten Fels auf großen Bügel direkt nach oben. Nach ca. 100 Höhenmetern folgt ein flaches Stück und eine kleine Gegensteigung. Der Weg führt stets direkt am Grat entlang. Es wird wieder steiler und bald sind wir so hoch wie der Gran Vernel (3210m). Zwei Gleitschirmflieger arbeiten sich mit der Thermik an der steilen Südwand empor und genießen ihr Hobby. Charakteristisch dafür sind die Lustschreie beim Erreichen einer Thermikpumpe welche Sie gleich mehrer 10m nach oben bringt.

Gleitschirmflieger schrauben sich mit der Thermik bis auf 3500m Höhe

Der Grat verläuft in mehreren Stufen, die Wegführung erfolgt an den weniger steile Stellen nahezu ausschließlich auf dem Grat

Typischer Abschnitt des Hans-Seyfert-Weges

Direkt nach oben, ein klassisch gesicherter Steig

Ein kurzer Gegenanstieg vor dem Gipfelaufschwung

Die letzten Jöhenmeter führen über einen flachen Gletscher, im Hintergrund das Langkofelmassiv

 Jetzt geht es noch mäßig bergan und wir erreichen gegen 14 Uhr den flachen Gipfelrücken des Punta Penia (3343m). Eine großartige Rundsicht empfängt uns. Ich mache einige Panoramafotos. Die Capanna Punta Penia sieht sehr heruntergekommen aus und hat trotz des hervorragenden Wetters geschlossen. Wir genießen den Gipfel solange es geht und bleiben bis 15 Uhr oben. 

Die Capanna Punta Penia sieht sehr verwahrlost aus und war bei schönstem Septemberwetter geschlossen

Das Langkofelmassiv, im Hintergrund der Ortler

Der Sellastock mit dem Piz Boe, dahinter der Alpenhauptkamm

Blick nach Osten zum zweiten Marmoladagipfel, dem Punta Rocca, 3265m

Die langgezogene Gipfelschulter bei grandioser Fernsicht

Die Gedenktafel für die Erschließer der Marmolada

Der Abstieg über den Normalweg führt zunächst leicht bergab über unschwierige Schneefelder zu einer Felsrinne. Hier greifen wir ein Fixseil und lassen uns einfach nach unten gleiten. Bei ca. 3100m erreichen wir den Gletscher. Hier werden die Steigeisen angelegt und angeseilt. Die ersten Meter sind sehr steil und durch offene Spalten direkt am Weg gefährlich. Ohne Pickel und Eisen wäre ein Weiterkommen hier nicht möglich. Zügig schreiten wir hinunter und erreichen 16.15 erleichtert wieder festen Boden. 

Ein letzter erhabener Blick über den Gran Vernell...

..dann beginnt der Abstieg

zunächst über einen flachen Gletscher, dann durch diese steile Felsrinne. Dank der guten Sicherung aber kein Problem

Der Abstieg über den großen Marmoladagletscher führt geschickt über große Spalten herum

Ein Blick zurück auf die Abstiegsrinne

Schaurige Spalten verlaufen direkt neben der Spur

Es bleibt noch Zeit für eine kurze Einkehr in der Capanna al Ghiacciaio (2722m). Sie liegt oberhalb der Liftstation und bietet eine sonnige Panoramaterrasse. Gegen 16.45 fährt die letzte Gondel talwärts. Das Stehen in der Gondel hat den Vorteil, dass man sich die Blickrichtung auswählen kann und das Panorama genießen kann. Unten angekommen nutzen wir die Zeit für einen Besuch des Kriegsmuseums des 1. Weltkrieges 1914- 1918. Imposant sind die Darstellung der Vergletscherung, welche vor 100 Jahren noch viel weiter herunter reichte. Die Bergstation des Liftes und der erste Wegabschnitt waren damals komplett auf dem Gletscher. Bemerkenswert war auch die Eisstadt, welche damals in den Gletscher gegraben wurde. 300 Kaiserschützen lebten damals im Eis und waren durch 10km Verbindungsstollen mit den Kavernen verbunden. Man richtete sich im Gletscher häuslich ein.

Die Capanna al Ghiaccaio bietet wieder allen lukullischen Genüsse inmitten einer unwirtlichen Bergwelt

Ein Rückblick auf den Abstiegsweg über den Gletscher mit seinen großen Abbruchspalten

Diese revanchistische Tafel hing in der Capanna, sie stört heute offenbar niemanden

Im Kriegsmuseum an der Talstation des Stehgondelliftes kann man den Gletscherstand vor 100 Jahren erkennen...

... und mit dem von heute vergleichen.

 Gegen 18 Uhr genossen wir noch einen Kaffee in der Bar Vernel über dem Stausee um dann zum Ausgangspunkt der nächsten Tour zu fahren. Über Canazei, Pian de Schiavaneis erreichten wir wieder den Sellapass und konnten uns aber nicht zu einem 64 Euro Zimmer entschließen. Im Rifugio Sella bekamen wir dann aber ein Matrazenlager, welches unseren Preisvorstellungen entsprach. 10 Euro für AV-Mitglieder sind günstig. Aber nicht unbedingt ein Schnäppchen, denn als wir uns das gegenüberliegende ehemalige Wirtschaftsgebäude ansahen, wussten wir, warum wir hier die einzigen Gäste waren. Eisig kalt waren die Räume und mit Doppelstockbetten zugestellt. Es gab natürlich auch kein warmes Wasser. Wohl aber Decken im Überfluss und so verbrachten wir eine ruhige Nacht an der Sellapaßstraße.


 

JGL 11.01.2008