Reiseberichte 2008 Katar Wüste Doha-Souq
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Katar 2008

Begegnungen in der Wüste, Eine Skyline ensteht auf der Westbay von Doha

Die Planungen für ein integriertes Bahnkonzept für das kleine Land auf der arabischen Halbinsel führten mich im Herbst 2008 nach Katar. Es hat eine Ausdehnung von 180 km * 80 km und 928 000 Einwohner. Die Hauptstadt ist Doha mit etwa 400 000 Einwohnern. Das Land erlebt infolge seiner umfangreichen Gas- und Ölvorkommen derzeit eine schnelle Entwicklung. Mehrere großflächige Areale mit Investitionsvolumen von mehreren hundert Millionen Euro sind im Bau. Infolge dessen steigt die Bevölkerungszahl rapide an. Die Infrastruktur wird ausgebaut und in diesem Zusammenhang auch ein intergriertes Eisenbahnsystem mit Fernbahn, Güterbahn und Metro.

80% der Einwohner sind Ausländer, davon 45% aus anderen arabischen Ländern und 34% aus Indien und Pakistan.Man schätzt deren Anteil auf 80%. Das öffentliche Leben ist von den verschiedensten Nationalitäten gekennzeichnet. Es dominiert dabei der asiatische Raum. Die Einheimischen tragen stets ihren Dishdasha, ein weißes Gewand, einem Nachthemd ähnlich. Dazu passed ein weißes Araber-Kopftuch mit schwarzer Kordel. Katarische Frauen tragen immer schwarz und sind meist verschleiert. Unter dem scharzen Gewand zeigt sich meist moderne westliche Kleidung und teure Schuhe. Neben den Temperaturen fallen auch die vielen unterschiedlichen Hautfarben der Bewohner sofort auf: Neben den hellhäutigen Arabern, trifft man ein buntes Völkergemisch, vorrangig aus Mittel- und Südostasien. Iraner, Inder, Pakistaner, Chinesen, Japaner, aus vielen Ländern kommen Menschen, um hier Geld zu verdienen. Der optische Kontrast könnte nicht größer sein, neben freizügig gekleideten Chinesen trifft man auf vollkommen schwarz gekleidete und verschleierte emiratische Frauen, welche, in einer Hand vorgestreckt ihr Handy haltend, mit ihrem Mann auf Einkaufstour sind. Er ist in ein weißes Gewand gehüllt (wir würden sagen ein Nachthemd) und trägt die typische Kopfbedeckung .
Die Kleidungsgewohnheiten setzen sich auch an Orten durch, wo sich ein sich Mitteleuropäer nur wundern kann. An den vielen Sandstränden des Landes trifft man immer wieder auf Großfamilien beim Picknick. Baden ist mehr oder weniger verpönt. Wenn man ins Wasser steigt, dann nur bis zum Knie und natürlich nur voll bekleidet.

Sehr beliebt sind die großen Shoppingmalls mit meist einem riesigen Großmarkt (Carrefour) und unzähligen Mode- und Schmuckläden. Ergänzt wird das Angebot durch Spielhallen für Familien, Eislaufbahn und Kinos. Es ist schick, in der Shoppingmall sein Wochenende zu verbringen, da die Temperaturen außen an ein römisches Dampfbad erinnern und man vom Sandsturm die Nase voll hat. An den Wochenenden richtet man von 10-22 Uhr Familientage ein; hier zeigt sich der verdeckte Rassismus des Landes: freier Eintritt für Familien und europäische Singles, dagegen müssen asiatische Singles (besonders Inder und Pakistanies) draußen bleiben. Auch beim Zugang zu den wiedererrichteten alten Märkten, den Souqs, zeigt sich zweierlei Maß: Katarische Polizisten wachen streng darüber, dass außer Europäern keinen Ungläubige (Südostasiaten) den Souq betreten.

Beim ersten Eindruck ist hier einiges gewöhnungsbedürftig: Die Temperaturen bewegen sich im Sommer tagsüber auf bis zu 48 Grad im Schatten und das bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Die Folge ist sofort spürbar; man tritt ins Freie und spürt, wie man an mehreren Stellen feucht wird, ja zum Teil wird eine kalte Hand augenblicklich durch kondensierende Luftfeuchte naß. Brillen beschlagen augenblicklich. Die Temperaturen bewirken, dass im Land quasi alle Räumlichkeit klimatisiert werden, mit Vorliebe auf 18 -20 Grad. Nach dem also längere Zeit draußen war, empfindet man die trocknende Kühle zunächst als angenehm, weil die feuchten Stellen der Haut trocknen. Bald spürt man aber, dass es unangenehm kalt wird, besonders wenn man sitzt. Da ich mehrfach neue Bahntrassen auf ihre Machbarkeit prüfen musste, war ein häufiges Wechseln zwischen dem klimatisierten Jeep und der heißen Wüstenluft unumgänglich. Dieser Temperaturwechsel ist besonders belastend.

Das Geld aus dem Erdölverkauf ermöglicht außerdem die vollständige Beleuchtung der Autobahnen und wichtigen Fernstraßen. Im Gegensatz zu den Emiraten sind nicht alle Autobahnen bepflanzt. Viele Highways sind im Umbau begriffen und werden massiv ausgebaut. Im Straßenbild fällt ein hoher Anteil an Geländewagen auf. Man zeigt halt gern, dass man sich es leisten kann. Auch fahren fast ausschließlich japanische Fabrikate auf den Straßen.
Um die im ganzen Land geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h durchzusetzen, sind alle Fahrzeuge mit Warneinrichtungen ausgestattet, welche bei einer Übertretung lautstarke Warnsignale von sich geben. Man gibt nach einer Zeit die Versuche auf, eine leere, schnurgerade 3-streifige Richtungsfahrbahn schneller zu befahren. Ob auch in den oft anzutreffenden Sportwagen wie Maserati und Porsche Warneinrichtungen sind, ist nicht bekannt. Die Geschwindigkeitsbeschränkung gilt auch nur auf öffentlichen Straßen.
Eine weitere Besonderheit auf allen mehrspurigen Straßen ist die strikte Trennung der Richtungsfahrbahnen. Ein Wenden ist nur an Kreuzungen oder besonderen Wendepunkten möglich. Verständlich bei einem schnellen Verkehrsfluss und 4spurigen Straßen. Unverständlich aber, warum die Lage der Wendepunkte / Linksabbiegemöglichkeiten bei wichtigen, von vielen Fahrzeugen benutzten Zielen Umwege von mehreren Kilometern verursachen.

Der Katari liebt das Crusen, mit dem Landrover einfach durch die Gegend oder querfeldein durch die Wüste zu fahren. Besonders schick ist es, die Plastiküberzüge der Sitze bei Neuwagen so lange wie möglich drauf zu lassen. Man zeigt damit stolz seine Neuanschaffung. Es bieten sich auch praktische Gründe dafür an: beim kleckern der Mitfahrer mit Fastfood und Getränken gibt es keine Flecke.
Der Fußball ist Volkssport, es wird sehr viel in Stadien und Trainigsmöglichkeiten investiert. Allabendlich machen riesige Stadienleuchten den Rasen taghell. Nicht immer wird gespielt, aber es soll hell sein. Energie kostet hier offenbar nichts. Daneben locken Kamelrennen und das Befahren von Sanddünen mit Geländewagen viele Einheimische aus ihren Villen. Beim Kamelrennen setzt man auf kleine Roberter. Sie werden von den Kamelbesitzern vom nebenherfahrenden Jeep aus gesteuert. An den großen Hotels kann man Segel- und Motorboote ausleihen. Auch Jetski werden angeboten. Lange Tradidition hat die Falkenzucht. Viele Kataries halten sich Falken und richten sie ab. Ein guter Zuchtfalke mit einer klassischen Maserung kann bis zu 4000 Euro kosten.

Im ganzen Land gibt keine echten Sehenwürdigkeiten. Keines davon würde eine Reise nach Katar rechtfertigen. Die nachfolgend aufgeführten Objekte schaut man sich an, weil man gerade hier ist und nicht nur am Hotelstrand liegen will.  Es gibt einige historische Gebäude, das Al Zubara Fort im Norden und eine alte Burg beu Umm Salil. Die vielen Kilometer Küste des Landes sind meist unzugänglich, weil im Privatbesitz. Wenn man schon ran fahren kann, erwartet einen meist ein schmutziger Sandstrand und man hat nach 500m knietiefes Wasser erreicht. Von Doha aus muss man meist 1-2 Stunden fahren, um eine ordentliche Bademöglichkeit zu erreichen. In Doha kann man durch die historischen Märkte (Souq) auf den Spuren des Orients wandeln. Man ist überrascht von der Vielfalt der angebotenen Waren und vom betörenden Duft der zahlreichen Gewürzstände. Meist kommen die Produkte aber aus anderen arabischen und südostasiatischen Ländern. Die Gänge mit den kleinen Läden sind zum Schutz vor der brütenden Sonne überdacht. Auf einem vor 30 Jahren aufgeschütteten Areal, dem Westbay Diplomatic Area, entstehen derzeit 30 Hochhäuser mit bis zu 60 Stockwerken. Sie wurden zum Teil traditionell, zum Teil aber auch sehr futuristisch gestaltet. Es ist wie ein Bild aus einer anderen Welt. Derzeit übertönt der Baulärm aber alles andere.

2. Teil: Eine Tour durch die Wüste

JGL 14.11.2008