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Stubaital 2006

Die Stubaier Wildspitze, 3341m

Die Stubaier Wildspitze ist ein spitzer Gipfel über dem Daunkogelferner. Im Wanderführer als mittelschwere Tour beschrieben, mussten wir beim Anstieg feststellen, dass es sich hier aber um eine sehr anspruchsvolle, steinschlaggefährdete Tour handelt, die deshalb auch kaum begangen wird. Offenbar ist durch den permanenten Wechsel zwischen Frost- und Tauperioden infolge der globalen Erwärmung eine stärkere Erosion der Felsmassen eingetreten und die Verhältnisse auf dem Normalweg über den Ostgrat haben sich dramatisch verschlechtert.

Wir fuhren mit der Gletscherbahn bis zur Station Schaufeljoch auf 3150m Höhe und gingen zum höchsten Restaurant Österreichs, der Jochdole. Die Frauen und die jüngeren Kinder ließen sich hier nieder und genossen einen Capuccino um später den Kleinen Isidor, 3200m zu besteigen. Dieser 3000´er wurde von der Gletscherbahn speziell für Wanderer erschlossen und bietet bei einem relativ einfachem Aufstieg einen umfassenden Rundblick über die Stubaier und Ötztaler Alpen.

Der Rest der Mannschaft ging über den oberen Rand des Windacher Ferners zum Einstieg am Bildstöckljoch.

Das auf 3130 m liegende Bildstöckljoch war viele Jahrhunderte lang Verbindung und Handelsweg vom Stubai ins Innerötztal und ins Südtiroler Passeiertal. Seit Menschengedenken, sagt man, stand am Bildstöckljoch ein hölzernes Stöckl, ehe es in den Wirren des Kriegsendes plötzlich verschwand. Im Jahre 1995 wurde ein neues Bildstöckl gestiftet:
900 Millionen Jahre alter Gneis aus der Gegend, geschmückt mit einer Schutzmantel-Madonna des Stubaier Künstlers Hansjörg Ranalter. Unterhalb der Madonna liegt ein kristallklarer Bergsee, der aber auch an heißesten Hochsommertagen keine erträglichen Badetemperaturen erreicht.

Über kleiner Schneefelder ging es aufwärts bis man die Bergstation eines Sesselliftes erreicht. Jetzt beginnt der ausgesetzte Teil der Tour. Über einen Vorgelagerten Gipfel mit Steilabfallenden Nord- und Südhängen gelangt man zu eigentlichen Einstieg. Dicke Seile sichern einen Felsaufschwung, welcher offenbar durch einen Felsabsturz in seiner Schwierigkeit verschärft wurde.

Der Weg zur Stubaier Wildspitze verläuft über einen Vorgelagerten Felskopf

Das neue Granitblock des Bildstöckljoch wurde 1995 gestiftet

Der Aufstieg führt in der (linksliegenden) Südwand des Gipfels

Eine dickes Seil sichert über einen Felsaufschwung

Der weitere Aufstieg führt durch die ausgesetzte Südwand an große, lockeren Felsplatten vorbei. Das Finden des richtigen Weges ist nicht immer einfach, er ist nicht markiert und verändert sich durch Steinschlag jedes Jahr. Von einem Alleingang muss hier dringend abgeraten werden.

Die Wegspuren sind nicht immer sichtbar, lockere Blöcke bilden eine große Steinschlaggefahr

Trotz der widrigen Verhältnisse blüht es im Sommer auf 3300 m Höhe

Das Gipfelkeuz der Stubaier Wildspitze 3341m, das Gipfelbuch wurde 1992 gelegt und versteckt sich unter der Tafel am Fuß des Kreuzes

Am Gipfel bot sich ein umfassendes Panorama, aber leider zogen auch schnell Wolken auf, auf Fernblicke mussten wir verzichten. Nach einer ausgiebigen Rast machten wir uns auf den Rückweg.

Imposanter Blick auf den Windacher Ferner und den Kleinen Isidor

Abstieg auf dem ausgesetzten Steinschlaggefährdeten Normalweg

Wir sind wieder auf sicherem Boden und mitten an einem Symbol für Massentourismus: Österreichs höchstem Restaurant, der Jochdole auf 3250m Höhe. Im Fels verankert muss die Höhe jedes Jahr dem Gletscherstand angepasst werden.

JGL 08.12.2006