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Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate

Im Oktober 2006 wurde ich kurzfristig zu einem Auslandseinsatz in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Abu Dhabi berufen. Bei dem 10wöchigem Einsatz bot sich reichlich Gelegenheit, Land und Leute kennen zulernen. Es zeigten sich große soziale Unterschiede zwischen den eingesessenen "Emiraties" und einem Teil der Gastarbeiter, die niedrigste Arbeiten verrichten. Doch verdient diese Bevölkerungsgruppe hier noch viel mehr, als in ihren Ursprungsländern und es kommt zu keinen sozialen Konflikten.

Beim ersten Eindruck ist hier einiges gewöhnungsbedürftig: Die Temperaturen bewegen sich tagsüber auf bis zu 40 Grad (im Oktober!) und das bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Die Folge ist sofort spürbar; man tritt ins Freie und spürt, wie man an mehreren Stellen feucht wird, ja zum Teil wird eine kalte Hand augenblicklich durch kondensierende Luftfeuchte naß. Die Temperaturen bewirken, dass im Land quasi alle Räumlichkeit klimatisiert werden, mit Vorliebe auf 18 -20 Grad. Nach dem also längere Zeit draußen war, empfindet man die trocknende Kühle zunächst als angenehm, bald spürt man aber, dass es unangenehm kalt wird, besonders wenn man sitzt.

 Die Emirate liegen in einem Gebiet mit trockenem heißen Wüstenklima, Regen fällt nur an wenigen Tagen im Winter. Infolge dessen muss alles was im Freien wachsen soll, künstlich bewässert werden. Der Staat hat mit Erdöl viele Milliarden verdient und kann es sich leisten, seine Autobahnen auf der ganzen Länge mit einem Grünstreifen aus Palmen und Büschen zu versehen, welche natürlich ganzjährig künstlich bewässert werden müssen. Der daraus resultierende Wasserverbrauch liegt bei 500 Litern pro Tag und Person. Der Verbrauch in Deutschland liegt dagegen bei 126 Litern. Das Wasser wird in einer großem Meerwasserentsalzungsanlage gewonnen. Die Vorräte dieser Entsalzungsanlage reichen für etwa zwei Tage, eine Notfallversorgung gibt es nicht. Bei einem Ausfall des sensiblen Wasser-Versorgungssystems würde die Trinkwasserversorgung kollabieren. Gegen Umweltkatastrophen wie Tankerunglücke sind die Aufbereitungsanlagen nicht gewappnet - sie müssten ihre Schleusen sofort schließen. Außerdem bieten die Entsalzungsanlagen ein strategisches Ziel für Terrorangriffe.

Das Geld aus dem Erdölverkauf ermöglicht außerdem die vollständige Beleuchtung aller Autobahnen und wichtigen Fernstraßen. Eine unbeleuchtete Straße fand ich nur bei einer Wüstensafari. Die Strecke zwischen Abu Dhabi und Dubai ist durchgehend 6spurig und voll beleuchtet. Der Mittelstreifen ist ebenso wie zwei Streifen links und rechts der Autobahn mit Palmen und Büschen bepflanzt und muss natürlich auch entsprechend bewässert werden. Dazu sind kilometerweit Rohre verlegt worden, die Bewässerung erfolgt mit Meerwasser, welches einen geringen Restsalzgehalt aufweist. Es entsteht bei einer längeren Autobahnfahrt der Eindruck, man durchquere ein grünes blühendes Land. Genau genommen ist es aber nur eine Kulisse, denn man trifft außerhalb bewässerter Flächen nur auf Sand- und Steinwüsten.

Um die im ganzen Land geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h durchzusetzen, sind alle Fahrzeuge mit Warneinrichtungen ausgestattet, welche bei einer Übertretung lautstarke Warnsignale von sich geben. Man gibt nach einer Zeit die Versuche auf, eine leere, schnurgerade 3-streifige Richtungsfahrbahn schneller zu befahren.

Der innerstädtische Verkehr spielt sich analog amerikanischer Verhältnisse auf zwei Ebenen ab: Breite 6spurige Straßen teilen Abu Dhabi in Sektoren, in denen sich der Anliegerverkehr ampelfrei auf Parkplatzsuche befindet. Die Kreuzungen der Hauptstraßen weisen wesentliche Gemeinsamkeiten auf: Der Rechtsabbiegerverkehr wird an der Ampel vorbeigeführt und fädelt sich in der neuen Richtung wieder ein. Ein grüner Pfeil ist deshalb unnötig. Vor der Kreuzung wird eine zusätzliche Linksabbiegerspur aufgebaut. Damit stehen 3 Spuren für Geradeaus und zwei zum Linksabbiegen bereit, denn auf der linke Geradeausspur kann auch links abgebogen werden, weil jeweils nur eine Richtung grün erhält. Der Gegenverkehr muss also warten und die Ampel schaltet gegen den Uhrzeigersinn je eine Richtung frei, dabei aber dann immer gleichzeitig für Geradeaus und links. Dieses System stammt aus Amerika und bewährt sich offenbar.

Eine weitere Besonderheit auf alle mehrspurigen Straßen ist die strikte Trennung der Richtungsfahrbahnen. Ein Wenden ist nur an Kreuzungen oder besonderen Wendepunkten möglich. Verständlich bei einem schnellen Verkehrsfluss und 6spurigen Straßen. Unverständlich aber, warum die Lage der Wendepunkte / Linksabbiegemöglichkeiten bei wichtigen, von vielen Fahrzeugen benutzten Zielen Umwege von mehreren Kilometern verursachen.

In einer Millionenstadt wie Abu Dhabi würde ein Mitteleuropäer sicher einen gut funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr vermuten. Hier aber herrschen andere Gesetze. Die Hauptträger bilden preiswerte Taxis und Mikrobusse. Große Firmen organisieren den Transport ihrer Angestellten selbst. Reguläre Buslinien gibt es in Abu Dhabi nicht. Eine Überlandverbindung nach Dubai verkehrt alle 40 min.

Um dem drohenden Verkehrskollaps der Schnellwachsenden Großstädte vorzubeugen, sind mehrere Stadtbahnen in Planung, in Dubai auch schon im Bau. Zumeist kommen Straßenbahnen (international auch Light Rail Train - LRT genannt) zum Einsatz, aber auch eine Monorailbahn ist im Gespräch.

Neben den Temperaturen fallen auch die vielen unterschiedlichen Hautfarben der Bewohner sofort auf: Neben den hellhäutigen Arabern, trifft man ein buntes Völkergemisch, vorrangig aus Mittel- und Südostasien. Iraner, Inder, Pakistaner, Chinesen, Japaner, aus vielen Ländern kommen Menschen, um hier Geld zu verdienen. Der optische Kontrast könnte nicht größer sein, neben freizügig gekleideten Chinesen trifft man auf vollkommen schwarz gekleidete und verschleierte emiratische Frauen, welche, in einer Hand vorgestreckt ihr Handy haltend, mit ihrem Mann auf Einkaufstour sind. Er ist in ein weißes Gewand gehüllt (wir würden sagen ein Nachthemd) und trägt die typische Kopfbedeckung .
Die Kleidungsgewohnheiten setzen sich auch an Orten durch, wo sich ein sich Mitteleuropäer nur wundern kann. In einem Erlebnisbad in Jumairah beispielsweise, dem Wild Wadi Water Park, einer Wasserlandschaft mit vielen Wasserrutschen und Strömungskanälen, auf denen man auf großen Schwimmringen sitzend, von kräftigen Düsen nach oben getrieben wird. Man trifft hier junge Europäerinnen in stringtanga-artigen Bikinis neben Inderinnen, welche von Kopf bis Fuß schwarz bekleidet ins Wasser steigen.
Auch an der Ostküste, im Emirat Sharjah, traf ich auf einem wunderschönen Strand auf eine junge Familie, welche abends 22 Uhr in voller Bekleidung im hüfttiefen Wasser badete.

Immer für eine Überraschung gut sind die Emiraties mit ihrer versteckten und offenen Arroganz, die sich in viele Bereichen des öffentlichen Lebens zeigt. Im Straßenverkehr benimmt man sich, als ob man eben erst vom Kamel auf den Grand Cherokee umgestiegen sei. Wenn ein Emiratie mit Kopftuch und Nachthemd auf schmaler Nebenstraße in der Mitte entgegen kommt, könnte man denken: Leider ist der Jeep breiter als das Kamel und kann nicht zur Seite treten, wir sind doch immer in Mitte geritten.
Es kursieren Witze wie: "Natürlich kann man die Einbahnstraße in Gegenrichtung befahren, man muss sich nur ein Kopftuch umbinden."
Drückt man seine Verwunderung über haarsträubende Vorgänge einem Emirati mit, so kann die Antwort lauten: "Das ist ein Teil der Kultur. Sie leben wohl noch nicht lange in den Emiraten ? Hier werden Dinge oft für andere Zwecke genutzt, als wofür sie gedacht sind."
Sicher erklären sich damit viele arabische Verhaltensweisen:
Bei Picknick am Strand bleibt gewöhnlich alle benutzten Verpackungen liegen, ebenso die Nichtverzehrten Essensreste. Irgendwann kommt ein Pakistani und macht sauber. Aha, ein Teil der Kultur.

Im Verkehr nutzt man die Hupe für alle möglichen Dinge: Um zu grüßen, zu schimpfen, um potentielle Kunden zu erschrecken (Taxis hupen auf dem Fußweg laufende Europäer einfach an) und manchmal auch um die Straße querende Fußgänger zu warnen . Die Folge ist ein ständiges Hupen an den Hauptstraßen bis in die späte Nacht.

Touristen kennen vor allem Dubai mit seinen Sehenswürdigkeiten, aber auch andere Landesteile bieten unvergessliche und auf der Welt einmalige Erlebnisse.

Ich möchte hier die wichtigsten Städte und Regionen der Emirate vorstellen.

Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Emirate.

Dubai ist das kulturelle und finanzielle Zentrum mit vielen touristischen Anziehungspunkten.

Al Ain ist eine der größten Oasen des Landes. Gleich daneben bietet sich eine Fahrt auf den Jebel Hafeet (1350m) an, ein schroffer Monolit über der Wüste.

Nördlich von Dubai liegt Sharjah, ein Emirat mit strengem Alkoholverbot.

Die Ostküste bietet neben einer Steilküste bei Dibba Möglichkeiten zum Tauchen. Das älteste Bauwerk der Emirate und den einzigen Wasserfall im Hajar-Gebirge liegen auf dem Weg nach Khor Fakkan.

Khor Fakkan besitzt einen malerischen Strand, eingerahmt von einem luxeriösen Hotel und einem großen Hafen.

Ganz unten liegen Fujairah und Khor Kalba mit neuen Strandpromenaden und kilometerlangen Sandstränden

In den Emiraten findet man zuweilen recht ungewöhnliche Bauwerke, Villen, überdimensionierte Kaffeekannen, Bücher, Kegel. Hier sind einige ausgewählte Exemplare davon zu sehen.

Hier ist eine Karte, auf der man die Lage der beschriebenen Orte ersehen kann.

Internetzensur in den Emiraten

 

JGL 08.12.2006